Storch im Gefängnis | Tarm in Westjütland

Storch im Gefängnis - im Zoo

Ein Storch aus Tarm kam 1959 ins „Gefängnis“

Heute ist der Höckerschwan Dänemarks Nationalvogel, aber früher wurde der Storch als der inoffizielle Nationalvogel betrachtet und er war u. a. von 1952-1975 auf den dänischen 10 Kronenscheinen abgebildet. Vor  ca. 70 Jahren hatten viele Familien einen Storch als Weihnachtsbaumspitze, das deutet darauf hin, dass er der beliebteste Vogel in der dänischen Fauna war. Der Storch hat generell einen großen Symbolwert für die Dänen. Er kommt in unglaublich vielen Liedern, Märchen, Omen und Mythen sowie auf Gemälden und anderen Kunstwerken vor. Der vornehme schwarz/weiße Vogel war im Laufe der Jahrhunderte ein Teil der dänischen Natur- und Kulturlandschaft und hat dadurch, dass er sein Nest auf Häusern und Höfen hatte, zu einer besonderen Stimmung beigetragen. Außer dem Mythos, dass der Storch die Babys bringt, haben viele Menschen in ihm auch einen Glücksvogel gesehen und glaubten, dass es Unglück bringt einen Storch zu töten oder ihm auf andere Weise Schaden zuzufügen.

Allerdings gab es im Gebiet um Tarm 1959 wirklich Probleme. Ein einsamer Storch – dessen Partner tot war – kam immer wieder in das Gebiet und griff die verschiedenen Nester in Tarm, Skjern, Lønborg und Vostrup an. Er tötete mit seinem spitzen Schnabel die Storchenjungen und hatte mehrere Morde auf seinem Gewissen. Deshalb richteten die Polizei, der Gemeinderat und die Einwohner ein Gesuch an das Landwirtschaftsministerium, um die Erlaubnis zu erhalten den Storch zu erschießen. Bevor man Antwort darauf erhielt, hatte er wieder ein Nest angegriffen – diesmal in Vostrup – und 2 Junge getötet. Daher wartete man nicht auf die Antwort der Behörde, sondern fing den Storch und schloss ihn ein. Am nächsten Tag wurde er von der Polizei abgeholt, die ihn inhaftieren sollte, bis der Entscheid vorlag.

Doch das Einsperren war vielleicht die Aufhebung des Todesurteils, denn der Storch wurde nun unter Polizeischutz zum Zoo in Vejle gefahren und man ging davon aus, dass er hier den Rest seines Lebens verbringen sollte. Die Angestellten des Zoos mussten aber dafür unterschreiben, dass sie den Storch entgegengenommen hatten und von öffentlicher Seite ein Beschluss kommen kann, dass der Storch zurück soll. Sachverständige und Experten des Zoologischen Museums und des Landwirtschaftsministeriums  nahmen sich der Sache an. Es wurde ein Professor nach Vostrup geschickt, die Sache wurde untersucht und mehrere Zeugen befragt. Daraus resultierte ein Begnadigungsgesuch, da wir eine Regel haben, die besagt: jeder Zweifel kommt dem Angeklagten zugute, und war es wirklich sicher, dass der Storch schuldig war? – Es war ja eine ernste Sache einen Storch zu verhaften! Es gab vielleicht andere, die den Storch geneckt oder geärgert hatten, so dass er in Notwehr handelte, als er so aggressiv reagierte. Andere Experten wurden befragt und sie kamen zu dem Entschluss, dass man nicht beweisen konnte, dass der Storch die gesamte Verantwortung trägt und er deshalb freigelassen werden sollte. Dieser Standpunkt wurde dem Landwirtschaftsministerium mitgeteilt und hier folgte man dem Rat der Experten.  Daraufhin erhielt der Sergeant in Tarm, 3 Wochen nach der Festnahme, die Anordnung, dass der Storch freigelassen und dahin zurückgebracht werden sollte, wo er gefangen wurde.

Der Sergeant holte den Storch in Vejle ab und zusammen mit dem Einsatzleiter von Falck fuhr er zu einer fruchtbaren Wiese zwischen Tarm und Lønborg, auf der der Storch von der Polizei und Falck freigelassen wurde, während der Sergeant salutierte (das hatte das Landwirtschaftsministerium aber nicht verlangt). Der Storch ging ruhig über die Straße und es wird berichtet, dass er sich umdrehte und den Kopf neigte um sich für den Transport und die gute Behandlung zu bedanken, daraufhin verschwand er auf der Wiese. Doch wie schon befürchtet griff der Storch bald wieder an – diesmal das Nest auf der Apotheke in Tarm, in dem 4 Storchenjunge allein zu Hause waren. Damit wollten sich die Einwohner der Stadt nicht zufrieden geben, da man das Nest und die Storchenfamilie sehr schätzte. Falck wurde kontaktiert, aber sie konnten nichts tun. Auf die eine oder andere Art gelang es glücklicherweise den Einwohnern, die Jungen am Leben und den aggressiven Storch auf Abstand zu halten, so dass man später in diesem Jahr mindestens 8 Störche auf einem Hausdach in Tarm zählen konnte.  

Zusammenfassung aus dem Buch:  „Kommt der Storch?“ von Inger Hansen 2003.          

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